Der Behandlungstermin

Am Beginn einer osteopathischen Behandlung erhebt die Osteopathin, im Sinne des ganzheitlichen Ansatzes, eine Anamnese. Dazu gehören nicht nur Informationen, die das aktuelle Beschwerdebild betreffen, sondern alle vergangenen Ereignisse, wie Verletzungen, Erkrankungen, Operationen, Impfungen, etc. Immer noch ist eine ausführliche Anamnese, ein persönliches Gespräch, ergänzt durch feinsinnige Diagnostik der eigenen und körpereigenen Systeme, die Grundlage des therapeutischen Handelns. Mit ihren geschulten Händen findet die OsteopathIn über die Gewebemobilität die Ursache der Störung.

Schon bei der Erstuntersuchung sind OsteopathInnen interessiert zu erfahren, welche Strukturen und funktionelle Ebenen in Hinblick auf den gesamten Körper an der jeweiligen Symptomentstehung beteiligt sein könnten. Das wird erreicht durch eine sehr differenzierte Diagnose struktureller Störungen und Mobilitätseinschränkungen und ihrer Auswirkungen. Voraussetzung dafür ist ein exaktes Grundlagenwissen in Anatomie, Physiologie und Pathologie, ebenso wie eine umfassende, jahrelange Schulung der palpatorischen und sensorischen Fähigkeiten.

Eine OsteopathIn denkt zuerst an die anatomischen Zusammenhänge und an die Physiologie des menschlichen Körpers. Warum reagiert die Patientin mit Schmerzen? Woher kommen diese, welches System des Körpers veranlasst dieses Unwohlsein und zieht andere Systeme mit sich? Wo fängt der Teufelskreis an und wo schließt er sich?

Niemals gehen OsteopathInnen nach fertigen Konzepten vor, immer beobachten und untersuchen sie individuell jede PatientIn. Die Osteopathin „heilt“ nicht, sondern optimiert die Beweglichkeit der Gewebe und damit die Nervenversorgung und Zirkulation von Blut und Lymphe im Körper. Dadurch kann das Immunsystem besser funktionieren und es werden die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert. Die Osteopathie umfaßt die Arbeit an allen Körperstrukturen: Knöchernes Skelett, Muskeln, Bindegewebe, Innere Organe, Hormondrüsen …

So wird auch eine schwangere Frau mit lumbalen Symptomen von Kopf bis Fuß untersucht, wobei das Augenmerk nicht nur auf den Bewegungsapparat gerichtet bleibt, sondern sich auf alle Funktionssysteme, soweit sie einer manuellen Untersuchung zugänglich sind, richtet.

In einer osteopathischen Behandlung werden die Hände eingesetzt um Einschränkungen der Beweglichkeit von Gelenken und Geweben zu korrigieren. Indem körperliches und seelisches Wohlbefinden hergestellt wird, kann der Körper der Patientin leicht zu seiner normalen Funktion zurückkehren und die Homeostase wieder herstellen.

Eine Korrektur wird erreicht mit Hilfe sanfter manueller Techniken, die die Osteopathin aus einer großen Palette von Methoden auswählt - entsprechend den individuellen Bedürfnissen der Patientin. Krankheit ist die Antwort der Person auf Grund von funktionellen Störungen. Die OsteopathIn hingegen versucht Gesundheit zu finden, das heißt die Ursache der reduzierten Funktion zu finden und nicht die Symptome behandeln (wie zB. mit Medikamenten, Operationen)

Ein Organismus ist gesund, wenn alle Systeme des Körpers ohne Einschränkung funktionieren. Als therapeutisches Werkzeug passt die Osteopathie hervorragend in die Entwicklung von präventiven und effizienten Methoden. Sie dient sowohl als Alternative als auch zur Ergänzung der allgemeinen Medizin und bietet gute ökonomische Möglichkeiten. Vor allem in Zusammenhang mit herkömmlichen Methoden können unter zusätzlichem Einsatz der Osteopathie Ergebnisse erzielt werden, welche zu einer Verkürzung der Therapiephase, zu besseren funktionellen Ergebnissen oder auch zur Minimierung des medikamentösen Aufwandes führen.

Osteopathie ist keine Ansammlung von Patentrezepten. Wenn es um die Behandlung selbst geht, die Interaktion mit der lebendigen Körperphysiologie, merkt man bald, dass man offen sein muss für das, was der Körper an Unterstützung für den therapeutischen Prozess möchte. Die Behandlung ist der Impuls zur Heilung. Die Behandlung verläuft stets sanft und unter der Schmerzgrenze, sie verbleibt immer in den physiologischen Grenzen der Gelenke und Gewebe. Der Körper arbeitet jetzt selber weiter, um ein neues Gleichgewicht zu finden. Dies erklärt, warum eine osteopathische Behandlung noch wochenlang nachwirkt.

Die Anzahl der Behandlungen richtet sich nach Diagnose und Beschwerdebild, wobei chronische Beschwerden in der Regel längere Behandlungszeiträume bedürfen als akute. Des weiteren lehrt die Osteopathin den Patienten auf seinen Körper zu hören, seine Symptome zu verstehen, mit ihnen umzugehen, Vorsorge zu treffen und Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen.